Ich kauerte auf dem Dachboden, den Staub im Hals und die Angst so fest in den Rippen, dass ich kaum atmen konnte.
Unter mir legte Caleb die Pässe auf den Flurtisch.
Der Mann im Regenmantel sagte: „Das FBI war schneller als erwartet.“
Mir stockte der Atem.
Calebs Kiefer verkrampfte sich. „Wie nah dran?“
„So nah dran, dass die Schwester deiner Frau es vielleicht schon weiß.“
Meine Schwester.
Mara.
Ich umklammerte das Handy in meiner Hand und betete, dass es wieder aufleuchten würde, betete, dass es keinen Ton von sich geben würde.
Caleb nahm meinen Laptop. „Sie überprüft nie etwas. Sie würde es sowieso nicht verstehen, selbst wenn sie es gesehen hätte.“
Der Fremde lachte leise. „Du hast gut geheiratet.“
Caleb lachte nicht.
„Das war nicht geplant“, sagte er. Einen Moment lang glaubte ich fast, Reue in seiner Stimme zu hören.
Dann fügte er hinzu: „Aber das Kind macht die Sache komplizierter.“ Mir wurde schwarz vor Augen. Noah. Unser vierjähriger Sohn, kilometerweit entfernt bei Calebs Eltern – zumindest hatte ich das geglaubt.
Der Fremde sagte: „Ihre Eltern bringen ihn schon weg.“
Ich biss mir so fest auf den Knöchel, dass ich Blut schmeckte.
Caleb nickte. „Gut. Sobald wir in Kanada sind, ist alles wieder wie vorher.“
Mein Handy vibrierte. Ich hätte beinahe geschrien. Eine Nachricht von Mara erschien.
FBI und Polizei sind in zwei Minuten da. Verstecken bleiben. Kein Lärm machen. Noah ist in Sicherheit. Wir haben ihn abgefangen.
Ich schloss die Augen, Tränen liefen mir über die Wangen.
In Sicherheit.
Unten klingelte Calebs Handy.
Er nahm scharf ab. „Mama?“
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich.
„Was meinen Sie, sie haben ihn mitgenommen?“
Der Fremde kam näher. „Was ist passiert?“
Caleb wurde kreidebleich. „Noah ist weg. Die Polizei hat sie auf der Autobahn angehalten.“
Der Mann fluchte. Dann blickte Caleb auf.
Nicht direkt auf mich zu, sondern Richtung Dachboden.
„Wo ist Elise?“
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Er ging den Flur entlang und sah sich in den Zimmern um.
„Elise?“, rief er, seine Stimme wieder sanft. „Schatz, wo bist du?“
Ich drückte mich hinter einen Stapel Aufbewahrungsboxen.
Die Dachbodentreppe knarrte.
Einmal.
Zweimal.
Dann heulten draußen Sirenen auf. Rotes und blaues Licht blitzte durch die kleine Dachbodenlüftung. Caleb erstarrte.
Die Haustür wurde mit einem lauten Knall aufgerissen.
„FBI! Tür auf!“
Der Mann im Regenmantel rannte nach hinten.
Caleb nicht. Er blieb unten an der Dachbodentreppe stehen und blickte in die Dunkelheit hinauf.
Zum ersten Mal seit sechs Jahren sah ich den wahren Mann hinter dem Gesicht meines Mannes. Und er lächelte.
„Deine Schwester hätte sich da raushalten sollen“, sagte er.