Teil I: Der unsichtbare Strom moderner Bequemlichkeit.
Für den modernen Stadtbewohner ist das Spülen der Toilette ein Wunderwerk unsichtbarer Technik, das wir gedankenlos hingenommen haben. Wir betätigen einen Hebel, und mit einem mechanischen Dröhnen verschwinden unsere Exkremente in einem unterirdischen Labyrinth aus Rohren, um nie wieder beachtet zu werden. Es ist ein Akt, der untrennbar mit unserem Zivilisationsgefühl, unserer Hygiene und unserer persönlichen Verantwortung verbunden ist. Schon von klein auf lernen wir, dass dies der letzte, notwendige Schritt unserer Reinigungsroutine ist. Doch unter der porzellanenen Oberfläche dieser Gewohnheit verbirgt sich eine komplexe Frage nach dem Preis dieser Bequemlichkeit – eine Frage, die Umweltschützer und Experten für Wasserknappheit mit zunehmender Dringlichkeit aufwerfen.
Im Kern der Debatte geht es nicht um die Ablehnung von Hygiene, sondern um die Dekonstruktion einer Routine. Sie fordert uns auf, innezuhalten, bevor wir zu diesem Hebel greifen, und uns zu fragen: Ist diese bestimmte Handlung wirklich jedes Mal notwendig? Angesichts des globalen Klimawandels und der zunehmenden Unsicherheit in der Verfügbarkeit des „blauen Goldes“ unseres Planeten – sauberes Trinkwasser – rücken die kleinen, automatisierten Handlungen unseres Alltags in den Fokus der Öffentlichkeit und werden neu bewertet. Wir treten in eine Ära ein, in der sich der Begriff des „verantwortungsbewussten Bürgers“ erweitert und auch den Umgang mit den Ressourcen umfasst, die unbemerkt durch unsere Haushalte fließen.
Teil II: Das Paradoxon des Trinkwasserabfalls
Um zu verstehen, warum eine einfache Toilettenspülung umweltschädlich ist, muss man sich die Beschaffenheit des verwendeten Wassers ansehen. In fast allen modernen kommunalen Systemen ist das Wasser, das den Spülkasten füllt, genau dasselbe, das aus dem Küchenhahn fließt. Es ist „Trinkwasser“ – Wasser, das gesammelt, gefiltert, chemisch aufbereitet und durch kilometerlange Infrastruktur gepumpt wurde, um strenge Sicherheitsstandards für den menschlichen Verzehr zu erfüllen. Wir verwenden also buchstäblich hochwertiges Trinkwasser, um flüssige Abfälle zu transportieren. Es ist ein erschreckendes Paradoxon unserer Zeit: Wir geben Millionen von Euro für die Aufbereitung von Wasser aus, um es lebensnotwendig zu machen, nur um es dann wie ein Wegwerfprodukt zu verwenden.