Teil 2
Angela nahm die Einladung wortlos entgegen.
Sie lächelte nicht.
Sie weinte nicht.
Sie blickte ihren Ex-Mann Markus nur ruhig an und sagte:
„Ich wünsche euch einen wunderschönen Hochzeitstag.“
Markus und seine Verlobte Sophie brachen in lautes Gelächter aus.
„Siehst du?“, sagte Sophie höhnisch. „Sie hat endlich akzeptiert, dass sie verloren hat.“
Markus grinste selbstzufrieden.
„Vergiss nicht, pünktlich zu kommen. Schließlich solltest du sehen, wie glücklich wir ohne dich geworden sind.“
Als sie gegangen waren, schloss Angela langsam die Haustür.
Ihre Mutter trat besorgt zu ihr.
„Kind… warum gehst du überhaupt zu dieser Hochzeit? Sie wollen dich doch nur demütigen.“
Angela legte die Einladung auf den Tisch.
„Nein, Mama.“
„Diesmal werde nicht ich gedemütigt.“
Sie öffnete eine alte Holztruhe, die sie seit ihrer Rückkehr ins Dorf nicht mehr angerührt hatte.
Darin lagen mehrere Aktenordner.
Firmenunterlagen.
Notarielle Verträge.
Bankdokumente.
Und ein versiegelter Umschlag.
Ihr Vater sah sie überrascht an.
„Du hast sie all die Zeit aufbewahrt?“
Angela nickte.
„Ich habe geschwiegen, weil Markus genau das tun sollte, was er getan hat.“
„Er musste glauben, dass er gewonnen hat.“
Ihr Vater runzelte die Stirn.
„Was meinst du damit?“
Angela zog einen Vertrag hervor.
„Die Firma gehörte niemals wirklich ihm.“
„Ich wusste schon Monate vor der Scheidung, dass er mich betrügt.“
„Darum habe ich gemeinsam mit meinem Anwalt alles vorbereitet.“
Sie erklärte ihren Eltern, dass Markus zwar glaubte, nach der Scheidung Eigentümer der Firma geworden zu sein.
Doch tatsächlich hatte Angela bereits zuvor sämtliche Markenrechte, Patente und Kundenverträge auf eine internationale Holding übertragen, deren alleinige Eigentümerin sie war.
Markus hatte lediglich ein Gebäude übernommen.
Einen Firmennamen.
Und gewaltige Schulden.
Währenddessen hatte Angela im Hintergrund still eine neue Firma gegründet.
Unter anderem Namen.
Mit denselben wichtigsten Kunden.
Und den besten Mitarbeitern, die freiwillig zu ihr gewechselt waren.
Markus bemerkte davon nichts.
Zu sehr war er damit beschäftigt, seinen Luxus zu genießen.
Neue Autos.
Luxusreisen.
Designeranzüge.
Und Sophie.
Doch seit einigen Wochen erhielt Angela regelmäßig Nachrichten ehemaliger Mitarbeiter.
Markus konnte die Gehälter nicht mehr bezahlen.
Mehrere Großkunden hatten ihre Verträge gekündigt.
Die Banken verlangten Kredite zurück.
Er wusste nur noch nicht, warum.
Angela lächelte zum ersten Mal seit langer Zeit.
„Er denkt, ich komme als gebrochene Frau zu seiner Hochzeit.“
„In Wirklichkeit komme ich nur, um ihm die Wahrheit zu zeigen.“
Am Hochzeitstag war der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt.
Fast vierhundert Gäste applaudierten, als Markus und Sophie den Saal betraten.
Sie wirkten wie das perfekte Paar.
Markus entdeckte Angela sofort.
Sie saß ruhig in der letzten Reihe.
Schlicht gekleidet.
Ohne Schmuck.
Sophie flüsterte grinsend:
„Sieh sie dir an… sie ist nur gekommen, um zu sehen, was sie verloren hat.“
Markus nickte zufrieden.
Doch genau in diesem Moment öffneten sich hinten die Türen des Saales.
Mehrere Männer in dunklen Anzügen betraten den Raum.
Direkt hinter ihnen folgten Gerichtsvollzieher.
Der Applaus verstummte.
Markus' Lächeln verschwand langsam.
Der leitende Anwalt trat nach vorne.
„Herr Markus Berger?“
„Ja…?“
„Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass sämtliche Vermögenswerte Ihrer Firma mit sofortiger Wirkung gepfändet werden.“
Der ganze Saal wurde still.
„Das muss ein Irrtum sein!“
Der Anwalt schüttelte den Kopf.
„Nein.“
„Ihre Firma besitzt keine gültigen Markenrechte mehr.“
„Alle Patente gehören Frau Angela Berger.“
„Außerdem wurden sämtliche Hauptkunden bereits vor Monaten rechtsgültig übernommen.“
Markus wurde kreidebleich.
Er drehte sich langsam zu Angela um.
Sie stand auf.
Zum ersten Mal seit der Scheidung blickte sie ihm direkt in die Augen.
„Du dachtest wirklich, ich hätte alles verloren?“
Die Gäste begannen miteinander zu flüstern.
Doch das war erst der Anfang…
Fortsetzung im letzten Teil…