Ich rührte mich nicht. Ich atmete nicht. Ich stand einfach nur da im Schatten und sah zu, wie sie das Leben zerstörten, das ich mir über Jahre aufgebaut hatte.
Die Frau fuhr mit dem Finger über Michaels Kinn. „Also, nachdem sie unterschrieben hat und du das Geld bekommen hast … was passiert dann mit ihr?“
Michael zuckte mit den Achseln. „Ihr wird es gut gehen. Sie hat ihren Job. Außerdem wird sie die Scheidung verkraften. Frauen tun das immer.“
Mein Magen verkrampfte sich.
Die Geliebte lachte leise. „Und Lily? Wird sie dann ganz bei uns sein?“
„Natürlich“, sagte er. „Sie liebt dich ja schon.“
Meine Hände ballten sich zu Fäusten.
Meine Tochter – mein Kind – war Teil seines Plans geworden.
Die Geliebte beugte sich näher. „Du bist herzlos … irgendwie sexy.“
Michael lachte.
In diesem Moment zerbrach etwas in mir.
Ich trat vor.
Habt ihr Spaß? Ich fragte mit ruhiger, aber scharfer Stimme – so scharf, dass man damit Glas schneiden konnte.
Die Frau schrie auf. Michael wirbelte herum, sein Gesicht wurde kreidebleich.
„D-Sie sollten doch arbeiten!“, stammelte er.
„Offensichtlich“, erwiderte ich. Die Geliebte sprang vom Sofa auf und umklammerte ihre Handtasche wie eine Rüstung. „Ich – sie – das ist nicht –“
„Sie können gehen“, sagte ich, ohne sie anzusehen. „Bevor ich die Polizei rufe, um Sie eskortieren zu lassen.“