Ein Netz aus Lügen
Celine verbrachte den Rest der Nacht auf dem Sofa bei Sarah, ihrer ältesten Freundin. Sarah wohnte in einer kleinen, aber gemütlichen Wohnung in der Nähe des Universitätsviertels. Sie öffnete die Tür, sah Celines durchnässte Kleidung und ihren leeren Blick und reichte ihr sofort ein warmes Handtuch, einen dicken Hoodie und eine Schüssel Suppe, ohne ein Wort zu fragen.
Im Morgengrauen, als der erste Schock nachgelassen hatte, erzählte Celine alles: den verschwundenen SUV, die gefälschten Dokumente, die grausamen Dinge, die Owen gesagt hatte, und die enorme Summe Geld, die sie angeblich erhalten hatten.
Sarah, die als Wirtschaftsprüferin für ein Logistikunternehmen arbeitete, hörte aufmerksam zu, mit ernster Miene.
„Celine“, sagte sie bestimmt, „das ist keine Familienfehde. Was du beschreibst, klingt nach einem geplanten Betrug.“ „Owen schwört, er habe nur das unterschrieben, was für den Verkauf unbedingt notwendig war“, erklärte Celine. „Aber hast du selbst etwas unterschrieben?“, fragte Sarah.
„Nein“, antwortete Celine. „Ich habe kein einziges Dokument im Zusammenhang mit dem Verkauf angefasst.“
„Dann müssen wir herausfinden, wo genau diese Unterlagen geblieben sind“, sagte Sarah. Sie öffnete ihren Laptop und kontaktierte ihr Netzwerk, darunter Fachleute von regionalen Kfz-Zulassungsstellen und örtlichen Anwaltskanzleien. Celine saß am Küchentisch, die Hände um eine lange, kalte Tasse Kaffee geschlungen, und lauschte dem gedämpften Klicken der Tastatur und den leisen, professionellen Telefongesprächen. Gegen Mittag legte Sarah auf und seufzte schwer. „Deine Schwiegermutter hatte keine medizinischen Notfälle, Celine“, sagte sie leise. Celine spürte einen kalten Knoten in der Magengrube.
„Bist du sicher?“, fragte sie. „Es gibt nirgendwo im System Aufzeichnungen über Operationen oder Krankenhausaufenthalte von ihr“, erklärte Sarah. „Aber ich habe herausgefunden, dass sie hohe Schulden bei einem Wucherzins-Kreditgeber hat, und sie hat ihre Wohnung in der Vorstadt als Sicherheit für den Kredit hinterlegt.“ „Wie viel hast du dir geliehen?“, fragte Celine.
Sarah verriet: „Siebenhunderttausend Dollar.“ „Und Owen ist als Hauptbürge für den gesamten Vertrag aufgeführt.“