Teil 4 (Finale)
Der Gerichtsvollzieher legte den letzten Ordner langsam auf den Tisch.
Richard starrte ihn an.
Seine Hände zitterten.
„Victoria... bitte...“
Zum ersten Mal seit Jahren klang seine Stimme nicht mehr arrogant.
Sondern verzweifelt.
Victoria sah ihn lange schweigend an.
Dann schob sie eine letzte Mappe über den Tisch.
„Öffne sie.“
Richard schluckte.
Langsam öffnete er den Umschlag.
Bereits auf der ersten Seite erstarrte sein Gesicht.
„Nein...“
flüsterte er.
Victoria nickte.
„Doch.“
Es waren Kontoauszüge.
Überweisungen.
Verträge.
Und E-Mails.
Jede einzelne Zahlung, die Richard in den vergangenen drei Jahren heimlich auf Auslandskonten verschoben hatte.
Er hatte geglaubt, niemand würde es bemerken.
Doch Victoria hatte alles dokumentiert.
Nicht einen Monat.
Nicht ein Jahr.
Drei ganze Jahre.
Sophie blickte zwischen den Unterlagen und Richard hin und her.
„Du... hast Geld gestohlen?“
Richard antwortete nicht.
Victoria übernahm das Wort.
„Nicht nur von mir.“
Sie zeigte auf die Dokumente.
„Auch von Investoren.“
„Von Geschäftspartnern.“
„Und sogar von Mitarbeitern, deren Pensionsfonds geplündert wurden.“
Der gesamte Saal war sprachlos.
Plötzlich trat einer der Männer im dunklen Anzug nach vorne.
„Richard Schneider?“
„Ja...?“
„Im Auftrag der Staatsanwaltschaft.“
Er zog einen Haftbefehl hervor.
„Sie werden wegen Betrugs, Urkundenfälschung, Untreue und Geldwäsche festgenommen.“
Richard wurde kreidebleich.
„Nein... das kann nicht sein...“
Er wollte einen Schritt zurückgehen.
Doch zwei Beamte standen bereits hinter ihm.
Sie legten ihm Handschellen an.
Zum ersten Mal in seinem Leben konnte Richard niemanden mehr manipulieren.
Während die Gäste ihre Handys zückten und alles filmten, wurde er langsam aus dem Saal geführt.
Sophie brach weinend zusammen.
Sie zog den Verlobungsring vom Finger.
Als Richard noch einmal zurückblickte, sagte sie nur einen einzigen Satz:
„Ich habe mich nicht in einen Betrüger verliebt.“
Dann ließ sie den Ring vor seine Füße fallen.
Der Saal war vollkommen still.
Victoria beobachtete alles ohne Triumph.
Ohne Hass.
Nur mit Ruhe.
Ihr Anwalt trat neben sie.
„Alles ist erledigt.“
Sie nickte.
„Fast.“
Sie ging langsam zur Bühne.
Nahm das Mikrofon in die Hand.
„Ich möchte mich bei allen Gästen entschuldigen.“
Alle sahen sie an.
„Viele von Ihnen wurden heute belogen.“
„Nicht von mir.“
„Sondern von einem Mann, der glaubte, Reichtum bedeute Macht.“
Sie machte eine kurze Pause.
„Vor vier Jahren hat Richard mich betrogen.“
„Er nahm sich eine Geliebte.“
„Er erzählte allen, ich hätte nichts erreicht.“
„Er glaubte, ich würde nach der Scheidung alles verlieren.“
Sie lächelte leicht.
„Dabei hatte er nie bemerkt, dass fast alles, worauf sein Luxusleben aufgebaut war, bereits vor unserer Ehe mir gehörte.“
Sie zog einen Schlüssel aus ihrer Tasche.
„Die Villa?“
„Mein Eigentum.“
„Die Firma?“
„Meine Anteile.“
„Die Ferienhäuser?“
„Meine Investitionen.“
„Seine Luxusautos?“
„Über Leasingverträge meiner Holding finanziert.“
Ein Raunen ging erneut durch den Saal.
Victoria fuhr fort:
„Richard dachte, er hätte mir alles genommen.“
„In Wahrheit hatte er nie etwas besessen.“
Sie legte den Schlüssel auf den Tisch.
„Heute habe ich mir lediglich zurückgeholt, was schon immer mir gehörte.“
Die Gäste begannen zu applaudieren.
Immer lauter.
Sogar einige ehemalige Geschäftspartner standen auf.
Draußen fuhr der Polizeiwagen mit Richard davon.
Victoria verließ den Saal, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Vor dem Hotel wartete bereits ihre Limousine.
Ihr Fahrer öffnete die Tür.
„Wohin möchten Sie, Frau Schneider?“
Victoria blickte ein letztes Mal auf das Hotel.
Dann lächelte sie.
Ein echtes Lächeln.
„Nach Hause.“
Denn zum ersten Mal seit vielen Jahren bedeutete dieses Wort wieder Frieden.