„Ist das Elena?“
„Das sind Kinder?“
„Drillinge?“
„Moment mal… ist das nicht Alexander Voss?“
Richard entdeckte uns von der Terrasse aus.
Sein Gesichtsausdruck veränderte sich so schnell, dass es fast befriedigend war, ihm dabei zuzusehen.
Vanessa stand in Spitze neben ihm, eine Hand auf ihrem kleinen Babybauch, während ihr Lächeln sichtlich erstarrte. Richards Mutter, Margaret, sah aus, als hätte sie Glasscherben verschluckt.
„Elena“, sagte Richard, als er die Stufen zu uns herunterkam. „Du hast… Gäste mitgebracht.“
„Meine Familie“, antwortete ich ruhig.
Sein Blick wanderte zunächst zu den Kindern, bevor er sich Alexander zuwandte.
„Du hast gut wieder geheiratet.“
„Ich habe weise wieder geheiratet.“
Alexander reichte ihm höflich die Hand. „Richard.“
Richard schüttelte es nur, weil zu viele Leute zuschauten.
Vanessa erholte sich als Erste.
„Wie süß“, sagte sie lieb. „Sind sie adoptiert?“
Die Atmosphäre wurde augenblicklich eiskalt.
Ich lächelte sanft. „Nein.“
Margaret lachte viel zu laut. „Nun ja, Wunder geschehen. Wobei manche Frauen wohl einen Milliardär brauchen, um sie zu kaufen.“
Alexanders Kiefer verkrampfte sich, aber ich berührte leicht sein Handgelenk.
Noch nicht.
Richard beugte sich näher zu ihr, sein teures Parfüm roch noch immer kraftlos. „Vorsicht, Elena. Blamier dich heute Abend nicht.“
„Sie haben mich ganz gezielt hierher eingeladen, um mich bloßzustellen.“
Sein Lächeln verschwand.
Bevor er antworten konnte, trat Vanessas Vater stolz heran. „Ah, die Ex-Frau. Richard hat uns alles über Ihre Tragödie erzählt. Es war sehr mutig von Ihnen, hier zu sein.“
„Tragödien werden oft missverstanden“, antwortete ich.
Richards Augen blitzten warnend auf.
Vanessa umklammerte seinen Arm fester.
Die Zeremonie begann unter den Klängen der Violine und dem Rauschen des Meereswindes. Richard stand unter dem blumengeschmückten Bogen und strahlte vor Triumph. Vanessa schritt langsam auf ihn zu, eine Hand auf dem Bauch, und inszenierte sich als Mutter für jede Kamera, die auf sie gerichtet war.
Dann fragte der Geistliche, ob jemand einen Segen sprechen wolle.
Unerwartet stand Margaret auf.
„Mein Sohn hat unendlich gelitten“, verkündete sie dramatisch und tupfte sich die völlig trockenen Augen. „Er hat eine Ehe ohne Kinder, ohne Erbe, ohne Hoffnung überlebt. Heute gibt Gott ihm endlich zurück, was ihm genommen wurde.“
Ein Raunen ging durch den Saal.
Richard senkte den Kopf in gespielter Demut.
Mein ältester Sohn Leo zupfte sanft an meinem Ärmel. „Mama, warum ist die Frau so gemein?“
Ich küsste seinen Scheitel. „Weil sie glaubt, niemand hätte sie gehört, als das Licht aus war.“
Alexander erhob sich langsam.
Alle Gesichter wandten sich ihm zu.
Er lächelte mit vernichtender Ruhe. „Meine Frau und ich haben heute Abend auch etwas vorbereitet. Schließlich bestand Richard so sehr auf ihrer Anwesenheit.“
Richards Gesichtsausdruck verhärtete sich augenblicklich. „Das ist meine Hochzeit.“
„Ja“, erwiderte Alexander ruhig. „Genau das macht es perfekt.“
Die riesigen Bildschirme hinter dem Altar – die ursprünglich für eine romantische Diashow vorbereitet waren – flackerten plötzlich.
Vanessas Lächeln verschwand.
Ich hatte nichts gehackt. Ich hatte die Eventfirma legal über eine Tochtergesellschaft beauftragt, die Richard nie überprüft hat. Die Präsentation war bereits unter dem Titel „Gastbeitrag“ geplant.
Das erste Bild erschien.
Ein Fruchtbarkeitsbericht.
Richard Hale. Schwere männliche Unfruchtbarkeit. Natürliche Empfängnis: medizinisch unwahrscheinlich.
Ein Raunen ging durch den Garten.
Richard stürzte sich auf den Technikerstand zu.